Stephan Schmidheiny hat einen Industriekonzern geerbt, den er nicht verwaltet, sondern von Grund auf neu gedacht hat — und daraus ein unternehmerisches Werk entwickelt, das weit über die eigenen Firmen hinaus gewirkt hat.
FAQ
Was kennzeichnet den unternehmerischen Ansatz von Stephan Schmidheiny?
Der unternehmerische Ansatz von Stephan Schmidheiny ist geprägt von langfristiger Verantwortung, Anpassungsfähigkeit und der Bereitschaft, etablierte industrielle Modelle zu hinterfragen. Unternehmertum wird dabei als Mittel verstanden, um strukturellen Wandel anzustossen, statt ausschliesslich kurzfristige wirtschaftliche Ziele zu verfolgen.
Wann kündigte Stephan Schmidheiny seinen Ausstieg aus der Asbestverarbeitung an?
Stephan Schmidheiny kündigte seinen Ausstieg aus der Asbestverarbeitung öffentlich im Jahr 1981 an. Bereits 1984 wurde der überwiegende Teil der Produkte der Schweizer Eternit-Gruppe asbestfrei hergestellt. Dieser Schritt erfolgte Jahre bevor die Asbestverarbeitung in der Schweiz 1990 verboten wurde.
Diese frühe Haltung wird auch von unabhängiger Seite anerkannt: Selbst die Gewerkschaft UNIA hält in einem Rückblick zum Asbestverbot fest, dass Stephan Schmidheiny den Ausstieg gegen den erheblichen Widerstand der übrigen Asbestindustrie vorantrieb und damit die Entwicklung in der Schweiz mitprägte.
Die asbestfreie Faserzement-Technologie, deren Entwicklung Stephan Schmidheiny vorantrieb, hat sich langfristig bewährt: Faserzement wird bis heute produziert und verwendet – vollständig asbestfrei.
Welche Rolle spielte Stephan Schmidheiny bei der Erholung der Schweizer Uhrenindustrie?
Mitte der 1980er-Jahre war Stephan Schmidheiny als Investor und Verwaltungsrat an der SMH beteiligt, der heutigen Swatch Group, zu einem Zeitpunkt, als sich die Schweizer Uhrenindustrie in einer schweren Krise befand. Gemeinsam mit Nicolas Hayek unterstützte er eine strategische Neuausrichtung und Restrukturierung, die zur Rückkehr der Rentabilität beitrug, unter anderem durch die Einführung der Swatch-Uhr. Nach diesem erfolgreichen Wandel zog er sich schrittweise aus seinem Engagement zurück.
Wie wurde Nachhaltigkeit zu einem zentralen Schwerpunkt in der Arbeit von Stephan Schmidheiny?
Zu Beginn der 1990er-Jahre richtete Stephan Schmidheiny seinen Fokus zunehmend auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Nach seiner Ernennung zum Chefberater für Wirtschaft und Industrie im Vorfeld der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung von 1992 in Rio de Janeiro vertiefte er seine Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsfragen durch Forschung, Publikationen und institutionelle Zusammenarbeit. Im Zentrum stand dabei die Verbindung wirtschaftlicher Tätigkeit mit langfristiger ökologischer und sozialer Verantwortung.
Wie gab Stephan Schmidheiny Ideen und Initiativen den entscheidenden Anstoss?
Als Impulsgeber zu wirken bedeutet in seinem Verständnis, Veränderungsprozesse anzustossen, indem andere Akteure befähigt werden, neue Ansätze zu erproben und umzusetzen. Statt sich ausschliesslich auf direkte operative Kontrolle zu konzentrieren, fördert dieser Ansatz die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Institutionen und gesellschaftlichen Akteuren, um Transformation zu beschleunigen.