Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit nahm Stephan Schmidheiny auch Verantwortung wahr als Verwaltungsrat von namhaften Schweizer Unternehmen. So wirkte er unter anderem 18 Jahre im Verwaltungsrat der heutigen UBS und 15 Jahre im Verwaltungsrat von Nestlé. 16 Jahre war er im Verwaltungsrat der BBC Brown Boveri, wo er auch die Fusion mit Asea zur heutigen ABB aktiv mitgestaltete.
In den 1980er-Jahren legte Stephan Schmidheiny mit seinen Stiftungen Fundes und Avina den Grundstein für die unternehmerisch geprägte Philanthropie. Dieses Konzept gründet auf der Überzeugung, dass die grossen Herausforderungen der Menschheit nicht mit Geldspenden allein, sondern nur mit unternehmerischen Lösungen überwunden werden können.
Bis heute engagiert sich Stephan Schmidheiny philanthropisch.
Nachhaltigkeit als Credo
Mit Beginn der 1990er-Jahre wandte sich Stephan Schmidheiny vermehrt dem gesellschaftlichen Diskurs und der Philanthropie zu.
Nachdem er 1990 zur Vorbereitung der UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung als „Hauptberater für Wirtschaft und Industrie“ ernannte wurde, beschäftigte er sich vertieft mit Fragen der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit.
Er publizierte mehrere internationale Bestseller zum Thema und wirkte mit dem von ihm gegründeten World Business Council for Sustainable Development WBCSD als Impulsgeber für Politik und Wirtschaft.
Sein wegweisendes Wirken im Bereich der Öko-Effizienz wurde von verschiedenen Universitäten mit einem Ehrendoktor gewürdigt. So verliehen ihm die INCAE Business School in Costa Rica, die US-amerikanische Yale University, das US-amerikanische Rollins College und die venezolanische Universidad Católica Andrés Bello die Ehrendoktorwürde.
Gestaltung der Daros Collection
Nach dem frühen Tod seines Bruders Alexander begann Stephan Schmidheiny ab 1995, dessen Kunstsammlung aktiv zu gestalten. Stephan Schmidheiny positionierte die Sammlung dabei bewusst in einem unternehmerischen Umfeld und liess sie fortan von einer professionellen Struktur - der Daros - betreuen. Die Daros Collection ist damit gewissermassen ein evolutionäres Projekt, das nicht still stehen soll. Vielmehr soll sie sich mit dem Zeitgeist und mit den in ihr vereinten Kunstwerken verändern.
Die Daros Collection vereint heute rund 250 Werke, darunter herausragende Konvolute von Andy Warhol, Gerhard Richter, Brice Marden, Willem de Kooning und Cy Twombly. Mit eindrücklichen Werkgruppen sind auch Mark Rothko, Robert Ryman, Barnett Newman, Sigmar Polke, Bruce Nauman, Robert Gober, Christopher Wool und Thomas Schütte vertreten.
Daros legt neben der gezielten Bewirtschaftung der Sammlung seit vielen Jahren auch Wert darauf, die Werke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zunächst wurden dazu eigene Räumlichkeiten in Zürich genutzt. Zwischen 2001 und 2008 zeigte Daros in verschiedenen wechselnden Ausstellungen ausgewählte Werke der Sammlung. Auch regelmässige Leihgaben an renommierte Museen wie das Museum of Modern Art in New York und die Tate Modern in London zeugen von der herausragenden Qualität der Daros Collection.
Seit 2010 arbeitet Daros eng mit der Fondation Beyeler in Riehen zusammen. Einzelne Werkgruppen aus der Daros Collection werden jeweils in die Sammlungshängung der Fondation Beyeler integriert.
Daros Latinamerica Collection
Im Zug des Engagements von Stephan Schmidheiny in Lateinamerika gelangte Ende der 1990er-Jahre auch die zeitgenössische lateinamerikanische Kunst in den Fokus der Aktivitäten von Daros. Bald schon zeigte sich, dass sich die lateinamerikanische Sammlung in einem eigenständigen Kontext besser entwickeln konnte. Entsprechend wurde 2000 die von der Daros Collection unabhängige Daros Latinamerica Collection gegründet. Die Sammlung ist eine der umfassendsten Privatsammlungen zeitgenössischer lateinamerikanischer Kunst.
Die Daros Latinamerica Collection stand im Besitz von Ruth Schmidheiny, der ersten Ehefrau von Stephan Schmidheiny. Sie umfasst über 1’200 Werke von 117 lateinamerikanischen Künstlerinnen und Künstlern. Die Werke der Daros Latinamerica Collection wurden in eigenen Museen und als Leihgaben in renommierten Institutionen rund um den Globus gezeigt.
Nach dem frühen Tod von Ruth Schmidheiny im Jahr 2019 fanden die Werke der Daros Latinamerica Collection Ende 2025 im Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires (Malba) in Argentinien eine neue Heimat. Der Gründer des Museums, der argentinische Unternehmer und Sammler Eduardo F. Costantini, erwarb die gesamte Sammlung und integriert sie zum 25-jährigen Jubiläum des Museums im Jahr 2026 in die ständige Sammlung des Museums.
Ein geschenktes Leben
Stephan und Viktoria Schmidheiny
Durch seine unternehmerischen Erfolge und seinen Einsatz für die nachhaltige Entwicklung stand Stephan Schmidheiny über viele Jahre mitten auf der Weltbühne. Dem Beispiel seines Vaters folgend, wollte er frühzeitig dafür sorgen, dass die Verantwortung für seine Geschäfte und Initiativen in die Hände der nächsten Generation übergeben werden konnte. Deshalb zog er sich 2003 vollständig von allen exekutiven Funktionen und formellen Positionen zurück.
Nach Jahren des Engagements für das Gemeinwohl richtete er sich auf eine andere Art von Lebensqualität aus und widmete sich fortan seinen persönlichen Interessen.
Kurz vor seinem 60. Geburtstag – im Oktober 2007 – erlitt Stephan Schmidheiny einen Aorta-Riss und drohte innerlich zu verbluten. Wie durch ein Wunder wurde er gerettet. Für Stephan Schmidheiny kam die Rettung einem geschenkten Leben gleich.
Kurz nach seinem 70. Geburtstag Ende 2017 legte Stephan Schmidheiny schliesslich das letztes Mandat - das Präsidium seiner gemeinnützigen Avina Stiftung - nieder.
Heute geniesst Stephan Schmidheiny das Leben mit seiner zweiten Frau Viktoria Schmidheiny. Die gebürtige Wienerin und Ärztin Viktoria Schmidheiny teilt die Passion ihres Mannes für Musik, Kunst und Kultur.