Was mit einem Buch für den Erdgipfel von Rio begann, entwickelte sich über die Jahre zu einer Vielzahl von Veröffentlichungen, Vorträgen und Beiträgen zu öffentlichen Debatten. Einige Texte hat Stephan Schmidheiny selbst verfasst, bei anderen war er Mitautor, Gesprächspartner während der Entstehung oder steuerte ein Vorwort bei. Ob nachhaltige Entwicklung, Öko-Effizienz, die Finanzierung des Wandels, unternehmerische Verantwortung oder wirtschaftspolitische Reformen: Stets ging es darum, Überzeugungen so zu formulieren, dass andere damit weiterdenken und weiterarbeiten konnten.
Dabei beschränkte sich sein Wirken nicht auf das geschriebene Wort. Als Redner an Universitäten, auf internationalen Konferenzen und in wirtschaftspolitischen Diskussionen vertrat er Positionen, die oft ihrer Zeit voraus waren und nicht selten kontrovers aufgenommen wurden. Manche seiner Beiträge fanden breite Zustimmung, andere lösten heftige Debatten aus. Gemeinsam war ihnen der Anspruch, eingefahrene Denkmuster zu hinterfragen und neue Perspektiven in die Diskussion einzubringen.
Denn Ideen entfalten ihre Wirkung nicht allein durch ihre Entstehung. Sie müssen erklärt, verteidigt und immer wieder neu in den öffentlichen Diskurs eingebracht werden. Was einmal geschrieben oder ausgesprochen ist, beginnt ein Eigenleben zu führen und wirkt oft weit über seinen ursprünglichen Anlass und seinen Verfasser hinaus.

Die neuen Spielregeln: Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung in Lateinamerika
Las Nuevas Reglas del Juego markiert einen frühen Meilenstein in Stephan Schmidheinys Auseinandersetzung mit nachhaltiger Entwicklung. Es entstand aus einem Dialog mit Hernando de Soto, einem der einflussreichsten Ökonomen Lateinamerikas. De Soto (*1941) gründete um 1980 in Lima das Instituto Libertad y Democracia (ILD), einen Think Tank zur Formalisierung von Eigentumsrechten in Entwicklungsländern. International bekannt wurde de Soto mit den Werken El Otro Sendero (1986) und später The Mystery of Capital (2000), das in über zwanzig Sprachen übersetzt wurde. Hernando de Sotos zentrales Argument lautet, dass das Vermögen in Entwicklungsländern ohne formelle Eigentumsrechte als „totes Kapital“ blockiert bleibt, da es weder beliehen noch gewinnbringend investiert werden kann.
Gemeinsam argumentieren die Autoren, dass langfristiger Wohlstand nicht allein von Kapital und Ressourcen abhängt, sondern ebenso von funktionierenden Institutionen, klaren Eigentumsrechten und unternehmerischer Initiative. So verbindet das Werk de Sotos Denken über Eigentum und informelle Ökonomien mit Stephan Schmidheinys früher Vision einer nachhaltigen Entwicklungsperspektive für Lateinamerika.

Kurswechsel. Globale unternehmerische Perspektiven für Entwicklung und Umwelt
Für den Erdgipfel der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro 1992 versammelte Stephan Schmidheiny mehr als 50 Führungspersönlichkeiten internationaler Unternehmen im Business Council for Sustainable Development (BCSD). Das daraus entstandene Buch Kurswechsel (englisch: Changing Course) zeigte erstmals umfassend auf, wie wirtschaftliches Wachstum, unternehmerischer Erfolg und Umweltschutz miteinander vereinbar sein können. Mit der Einführung des Konzepts der Ökoeffizienz prägte das Werk die internationale Diskussion über nachhaltige Entwicklung und gilt bis heute als Meilenstein der nachhaltigen Unternehmensführung.
Stimmen zum Buch:
«Changing Course wurde zur Pflichtlektüre für zukunftsorientierte Führungskräfte und zeigte den Weg für das umweltorientierte Unternehmertum der Zukunft.» William K. Reilly, Administrator der US Environmental Protection Agency (1992) in “The Road from Rio”.
«Die Frage lautet nicht mehr, ob Unternehmen den Herausforderungen der globalen Umweltprobleme begegnen müssen oder wann sie dies tun werden. Die entscheidende Frage ist, wie dies geschehen soll. Changing Course bietet die weitsichtigste und überzeugendste Anleitung, wie die Ressourcen moderner Unternehmen für das Ziel einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung eingesetzt werden können. Dieses Buch ist nichts weniger als ein Fahrplan für die Zukunft der Wirtschaft.» James Gustave Speth, Präsident des World Resources Institute und später Dekan der Yale School of the Environment
Changing Course wurde vom Cambridge Institute for Sustainability Leadership in die Liste der 50 einflussreichsten Nachhaltigkeitsbücher aufgenommen.

Auf dem Weg zu einer ökologisch nachhaltigen Wachstumsgesellschaft: Physikalische Grundlagen, ökonomische Transformationen und politische Restriktionen
Towards an Ecologically Sustainable Growth Society vereint in einem Buch drei Disziplinen, die selten gemeinsam gedacht werden: Ökonomie, Physik und internationale Unternehmenspraxis. Diese Verbindung spiegelt sich in den Autoren. Bruno Fritsch (1926–2009), Professor für Nationalökonomie an der ETH Zürich, gehörte zu den frühen Vordenkern globaler Umwelt- und Entwicklungsfragen; der Physiker Walter Seifritz brachte die naturwissenschaftliche Perspektive auf Energie und thermodynamische Grenzen ein; Stephan Schmidheiny steuerte die unternehmerische Sicht auf wirtschaftlichen Wandel bei. Aus dieser bewussten Zusammenführung von Fachwelten entstand ein Werk, das eine grundlegende Frage klären wollte: Ist nachhaltige Entwicklung überhaupt möglich — und wenn ja, wie lässt sie sich erreichen?
Die Antwort der Autoren ist so nüchtern wie anspruchsvoll: Nachhaltigkeit unterliegt physikalischen Gesetzen, den Grenzen von Energie, Materie und Entropie. Nachhaltigkeit muss zugleich ökonomischer Effizienz genügen. Wo viele Debatten Wachstum und Ökologie gegeneinander ausspielen, argumentiert das Buch, dass beide nur zusammen zu denken sind: Eine „sustainable growth society" ist demnach kein Widerspruch, sondern eine Gestaltungsaufgabe, deren physikalische, wirtschaftliche und politische Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein müssen. Damit vertiefte Stephan Schmidheiny den unternehmerischen Ansatz seines Bestsellers Changing Course (1992) um ein naturwissenschaftlich fundiertes Denkgebäude.

Finanzierung des Kurswechsels: Die Finanzmärkte als Schrittmacher der Ökoeffizienz
Vier Jahre nach Kurswechsel wandte sich Stephan Schmidheiny gemeinsam mit dem argentinischen Unternehmer Federico J. L. Zorraquín jenen Akteuren zu, die über den Fluss des Kapitals entscheiden. Finanzierung des Kurswechsels (englisch: Financing Change) entstand im Rahmen des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) und ging erstmals systematisch der Frage nach, ob die Finanzmärkte – Aktien- und Anleihenmärkte, Banken und Versicherungen – nachhaltige Entwicklung unterstützen und ob sie dies tun sollten. Der Verlag MIT Press bezeichnete das Werk als erste Studie überhaupt zu diesem Thema.
In eigenen Kapiteln kommen die zentralen Akteure der Finanzwelt zu Wort: Unternehmensleitungen, Investoren und Finanzanalysten, Banken, Versicherer, Rechnungsleger und Rating-Agenturen. Aus der Zusammenschau ihrer Sichtweisen leiten die Autoren eine Kernforderung ab: Ökologische Risiken und Chancen müssen als fundamentale Variable in die Bewertung an den Finanzmärkten und in die Finanzplanung der Unternehmen einfliessen. Damit wurde Ökoeffizienz, das Leitkonzept aus Kurswechsel, zu einer finanziell relevanten Grösse. Das Buch steht am Anfang einer Entwicklung, die heute unter den Begriffen Sustainable Finance und ESG zum Standard der Finanzbranche gehört.
Stimmen zum Buch:
«Aufbauend auf dem Inhalt dieses wichtigen Buches begannen Finanzinstitute, nach Chancen im Zusammenhang mit ökologischen und sozialen Fragen zu suchen.» Olaf Weber, University of Waterloo, in «Sustainable Banking – History and Current Developments» (2013)
«Die erste Studie, die Fragen untersucht, die an Bedeutung gewinnen werden, je stärker die Weltbevölkerung wächst und je mehr die Entwicklungsländer in die Finanzmärkte eintreten.» Aus der Verlagsbeschreibung der MIT Press.

Sustainable Development: Finanzmärkte im Paradigmenwechsel
Mit der Veröffentlichung von Sustainable Development: Finanzmärkte im Paradigmenwechsel rückte Stephan Schmidheiny einen Akteur ins Zentrum der Nachhaltigkeitsdebatte, der bis dahin oft am Rand stand: die Finanzmärkte. Gemeinsam mit Rolf Gerling vertrat er die These, dass nachhaltige Entwicklung nicht allein durch Politik, Unternehmen oder technologische Innovation vorangetrieben werden kann. Entscheidend seien auch die Regeln, nach denen Kapital investiert, Risiken bewertet und wirtschaftlicher Erfolg gemessen wird.
Das Buch argumentiert, dass Finanzströme die Entwicklung von Gesellschaften ebenso prägen wie politische Entscheidungen. Banken, Investoren und Versicherungen tragen deshalb eine Mitverantwortung dafür, welche Technologien, Geschäftsmodelle und Wirtschaftsformen wachsen können. Nachhaltigkeit wird dabei nicht als Gegensatz zu wirtschaftlichem Erfolg verstanden, sondern als Voraussetzung für langfristige Stabilität, Innovationskraft und Wertschöpfung.
Besonders früh wies das Werk darauf hin, dass ökologische Herausforderungen auch ökonomische Risiken darstellen. Klimawandel, Ressourcenknappheit oder Umweltverschmutzung seien nicht nur gesellschaftliche Probleme, sondern Faktoren, die den langfristigen Erfolg von Unternehmen und Finanzsystemen unmittelbar beeinflussen. Damit griff das Buch Fragen auf, die Jahre später unter Begriffen wie ESG, Sustainable Finance oder Impact Investing breite Aufmerksamkeit erhalten sollten.
So wurde Sustainable Development: Finanzmärkte im Paradigmenwechsel zu einem frühen Plädoyer für eine Neuausrichtung des Finanzsektors: weg von einer ausschliesslich kurzfristigen Betrachtung von Rendite, hin zu einem Verständnis von Kapital als Hebel für nachhaltige Entwicklung und langfristigen wirtschaftlichen Erfolg.

Walking the Talk: The Business Case for Sustainable Development
Zehn Jahre nach Kurswechsel und dem Erdgipfel von Rio zogen drei führende Köpfe des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) Bilanz: Charles O. Holliday, Chairman und CEO von DuPont, Philip Watts, Chairman der Royal Dutch/Shell-Gruppe, und Stephan Schmidheiny, Gründer des WBCSD. Walking the Talk erschien im Vorfeld des UNO-Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg 2002. Damit trat die Wirtschaft nicht mit Absichtserklärungen vor die Staatengemeinschaft, sondern mit dem Nachweis, dass nachhaltiges Wirtschaften in der Praxis funktioniert.
Anhand von rund 70 Beispielen von Unternehmen aus allen Weltregionen zeigen die Autoren, dass die drei Säulen der nachhaltigen Entwicklung – ökonomisches Wachstum, ökologisches Gleichgewicht und sozialer Fortschritt – sowohl die Geschäftsergebnisse als auch die Lebensqualität verbessern. Das Buch ordnet diese Erfahrungen in zehn «Bausteine»: funktionierende Märkte, die richtigen politischen Rahmenbedingungen, Ökoeffizienz, soziale Verantwortung der Unternehmen, Lernen und Wandel, Partnerschaften, Information und Wahlfreiheit der Konsumenten, Innovation, die Bewertung natürlicher Ressourcen sowie Märkte, die allen offenstehen, auch den Ärmsten. Die Kernthese fasst das Buch in einem Satz zusammen: «Business cannot succeed in failing societies» – Unternehmen können in scheiternden Gesellschaften nicht erfolgreich sein.
Mit Walking the Talk prägte Stephan Schmidheiny den Begriff des «Business Case» für Nachhaltigkeit massgeblich mit: Nachhaltigkeit galt nicht mehr als Kostenfaktor oder Imagefrage, sondern als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Das Buch schliesst den Bogen, der mit Kurswechsel in Rio begann und mit Finanzierung des Kurswechsels die Finanzmärkte einbezog.
Stimmen zum Buch:
«‹Kurswechsel› war die Botschaft des Buches, das Stephan Schmidheiny 1992 für den Erdgipfel veröffentlichte. Zehn Jahre später zeigen Stephan Schmidheiny, Chad Holliday und Philip Watts, wie eine Reihe führender Unternehmen begonnen hat, den Worten Taten folgen zu lassen. Ich hoffe, dass die konkreten Beispiele in diesem Buch den notwendigen Kurswechsel in den Millionen von Unternehmen auslösen, die noch immer nach dem Prinzip ‹business as usual› wirtschaften.» Dr. Klaus Töpfer, Exekutivdirektor des UNO-Umweltprogramms (UNEP)
«Für mich war das Entstehen des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) eines der wichtigsten inoffiziellen Ergebnisse des Gipfels von Rio 1992. […] Walking the Talk zeigt, dass wir alle im selben planetaren Boot sitzen.» Dr. Claude Martin, Generaldirektor des WWF International
«Eine Wirtschaftsordnung zu entwickeln, die mit den Gesetzen der Natur im Einklang steht, ist die Herausforderung unserer Zeit. […] Walking the Talk ist ein wichtiger nächster Schritt am Anfang einer sehr langen Reise.» Peter M. Senge, MIT und Society for Organizational Learning
«Dieses Buch zeigt uns, dass die erfolgreichsten Unternehmen jene sein werden, die nachhaltige Entwicklung erreichen, indem sie vom wunderbaren Mechanismus der Natur und von der Kraft des Lebens lernen – von der Weisheit der Natur – und entsprechend innovieren.» Dr. Shoichiro Toyoda, Ehrenpräsident der Toyota Motor Corporation